Die Max-Immelmann-Kaserne und die Dependancen

Seit Herbst 2015 gibt es in Manching die Ankunfts- und Rückführungseinrichtung ARE I. In der Max-Immelmann Kaserne (MIK) befinden sich momentan ca. 350 Geflüchtete, die Anzahl soll aber auf 1.800 aufgestockt werden. Es gibt aktuell drei Dependancen. In der Dependance P3 sind ca. 400 von max. 500 Plätzen belegt. Die Unterkunft mit den gelben Containern befindet sich auf einem großen Parkplatz, der vor allem von Besuchern des Fußballstadions genutzt wird.

In der Container-Unterkunft in der Marie-Curie-Straße leben ca. 500 Menschen in 8-Bett-Containern, direkt ums Eck zum Shoppingparadies „Ingolstadt Village“. Die neue Dependance mit ca. 500 Plätzen wurde Mitte März direkt am sogenannten „Audikreisel“, unmittelbar an der Hauptverkehrsstraße eröffnet. Die Unterkunft ist von einer dicken Mauer zur Straßenseite hin umgeben.

Insgesamt ist in Manching/Ingolstadt eine Aufstockung auf bis zu 3.000 Plätze geplant.

Ein guter Teil des jetzigen genutzten Teils der MIK wird inzwischen von den Büros der Zentralen Ausländerbehörde und des BAMF eingenommen. Angeblich sind mindestens 120 BehördenmitarbeiterInnen vor Ort, es kommen laufend neue dazu. Das Verwaltungsgericht (VG) ist nur mit Gerichtsangestellten vor Ort präsent. Ein Shuttle aus mehreren Kleintransportern verbindet die einzelnen Einrichtungen. Flüchtlinge werden so zu den Behörden in die MIK oder zum „Schulunterricht“ gebracht.

Eingang Max-Immelmann-Kaserne
Eingang Max-Immelmann-Kaserne
Dependance Audi-Kreisel
Dependance Audi-Kreisel
Dependance P3
Dependance P3

Beschleunigte Asylverfahren

Bis jetzt gab es in der ARE Manching KEINEN EINZIGEN positiven Bescheid. Das mutet absurd an, da bei so einer großen Anzahl von Anträgen einige mit guten Asylgründen dabei sein sollten.

Außerdem gab es bis jetzt gerade einmal zwei Fälle, in denen Abschiebehindernisse aufgrund gesundheitlicher Probleme festgestellt wurden. Dies geschah auch nur mit Hilfe von Anwälten im Klageverfahren. Physisch oder psychisch schwerstkranke Menschen werden abgeschoben. Auch die Angst vor Blutrache, die einige bei der Heimkehr erwartet, geschlechtsspezifischer Gewalt, Zwangsheirat o.ä. werden nicht berücksichtigt. Asylverfahren werden ohne ausreichende individuelle Prüfung im Hauruckverfahren bearbeitet. Oberflächlich heißt aber nicht immer schnell. In zahlreichen Fällen sind Pässe von verschiedenen Behörden verschlampt worden. Menschen, die bereits die Ablehnung ihres Asylantrags erhalten haben und aufgrund der Zustände heimkehren wollen, warten teilweise seit über 5 Monaten auf ihren Pass.

Bewusst verhinderte Integration

Dass jegliche Integration verhindert werden soll, zeigt sich auch daran, dass im Rahmen der Freizeitgestaltung nur Filme in englischer Sprache gezeigt werden, deutsches Fernsehen wird nicht angeboten.

Da jede Form der Integration oder Unterstützung von Flüchtlingen im Lager verhindert werden soll, wurden auch alle Ehrenamtlichen, die dort aktiv waren, durch Zugangsverweigerung oder Schikanen vergrault. So ist vielen Ehrenamtlichen die Kraft und Lust vergangen. Die Ehrenamtlichen waren unterstützt von der Koordinierungsstelle der Stadt Ingolstadt, dies mag vielleicht auch erklären, warum das Netz der Ehrenamtlichen so schnell zusammenbrach und keine ausreichende Unterstützung erfahren hat. Ingolstadt hat der Einrichtung der Abschiebelager zugestimmt, weil die Stadt so keine weiteren Flüchtlinge aufnehmen und für ihre Unterbringung sorgen muss.

Wohnsituation

In den Unterkünften schaut man auf eine Mischung zwischen Familien und alleinstehenden Geflüchteten. Problematisch ist, dass Frauen ihre Zimmer nicht absperren können, bis vor kurzem nicht einmal die Duschen absperrbar waren. Viele Frauen haben sexuelle Gewalt erfahren und leben deshalb in Angst. Teilweise halten sie nachts sogar abwechselnd Wache. Psychisch kranke Menschen oder geistig Behinderte werden nicht geschützt untergebracht, sondern mit anderen in 4-6 Bettzimmern. Sie leiden dadurch stark an Ausgrenzung und Diskriminierung.

Kinder

Die Erfüllung der Schulpflicht ist mehr als fraglich. So gibt es 12 Stunden „Ersatzunterricht“ pro Woche mit 5 Lehrern für 165 schulpflichtige Kinder. Insgesamt befinden sich ca. 300 minderjährige Kinder in der ARE und den Außenstellen. Der „Unterricht“ besteht aber anscheinend nur aus dem Singen von englischen Liedern. Was total sinnlos erscheint, da viele Kinder bereits deutsche Schulen besucht haben und so Deutsch sprechen. Deutsch ist aber nicht gestattet, der „Unterricht“ findet komplett in Englisch statt.

Essen

Es ist verboten die meisten Lebensmittel mit auf die Zimmer zu nehmen. Selbst zu kochen ist nicht möglich. Auch darf kein Essen von außen auf das Gelände der Lager gebracht werden. Abends durchsuchen die Mitarbeiter die Zimmer nach Lebensmitteln. Das Essen, das es dreimal täglich in der Kantine gibt, sei für Erwachsene „erträglich“, heißt es von Bewohner*innen. Für Babys und Kleinkinder ist es aber schlimm.


Unzureichende Betreuung durch Sozialarbeiter

Die Betreuung durch Sozialpädagog*innen ist nicht ausreichend gewährt und soll sogar noch reduziert werden.

So arbeiten momentan drei Sozialpädagog*innen in der Max-Immelmann Kaserne und teilen sich 1,5 Stellen. In der Dependance in der Marie-Curie-Straße gibt es gar keine sozialpädagogische Betreuung. Die Bewohner wissen entweder gar nicht, dass es so ein Angebot überhaupt gibt oder müssen sich auf den Weg in die Max-Immelmann-Kaserne machen, wo die zuständigen Beraterinnen bereits mit den dortigen Bewohnern überfordert sind. In der Dependance P3 war bis Februar 2016 ein Sozialpädagoge für 400 Bewohner zuständig. Zumindest einstweilig wird die Stelle nicht neu besetzt. Für die Dependance, die am Audikreisel eröffnet werden soll ist keine Beratungsstelle vorgesehen. So sind 1,5 Sozialarbeitsstellen für ca. 1.750 Menschen zuständig. Kommt es zur Erweiterung sogar für ca. 2.400. Insassen können auch nicht auf andere Asylsozialarbeiter*innen ausweichen, weil es in Ingolstadt ja keine Flüchtlinge außerhalb der Lager und damit auch keine Asylsozialarbeit gibt. Auch Anwälte für Ausländer- und Asylrecht gibt es nicht in Ingolstadt. Die Caritas Sozialberatung ist dadurch die einzige Möglichkeit, schwierige Fälle zu identifizieren und an Anwälte zu vermitteln.

Der Betreuungsschlüssel ist also kaum mehr als ein Feigenblatt. Dabei ist die Betreuung durch Sozialpädagog*innen in dieser Situation extrem wichtig, da sie gegenüber den Behörden eine unabhängige Beratung darstellen und eine andere Vertrauensbasis bieten. Vielen Menschen in den ARE-Einrichtungen geht es extrem schlecht, so dass eine sozialpädagogische Betreuung dringend nötig ist.